Tyrano als Erlebnis

Da mich besondere Fahrzeuge schon immer fasziniert haben, war ich natürlich sofort Feuer und Flamme, als ich im Conrad-Katalog die Abbildung des Tyrano 6x6 gesehen habe.

Nach einigem Überlegen, der Preis war mit DM 400,-- ja nicht gerade ein Schnäppchen, habe ich das Fahrzeug dann bestellt.

Nach einigen Wochen kam die Mitteilung, dass das Fahrzeug zur Zeit leider nicht lieferbar wäre. Nun gut, die Vorteile, kostenfreie Nachlieferungen zu bekommen, konnte ich in der Zeit nutzen, da nach Murphy immer gerade dann ein oder zwei Kleinigkeiten fehlten, wenn die gerade gefaxte Bestellung schon zu Conrad rausgegangen ist :-))

Nach 2 oder 3 Monaten kam dann die Kiste mit dem Tyrano.

Das Fahrgestell war bereits vormontiert, lediglich die Räder waren nach Bauanleitung zusammenzukleben und anzuschrauben. Die Fernsteuerung mußte natürlich noch eingebaut werden, dann hätte es für erste Fahrversuche gereicht. Die Verarbeitungshinweise zum Lackieren der Karosserie waren gut verständlich und haben zum Erfolg geführt. Der in der Bauanleitung erwähnte Dekorbogen war leider nicht im Bausatz enthalten, wurde aber, im Rahmen der Ersatzteilieferung (siehe weiter unten), von Prafa nachgeliefert. Enttäuscht war ich über die schwarzen Felgen, da das Modell im Katalog mit Chromfelgen abgebildet war.

Da ich mit den mitgelieferten mechanischen Fahrtreglern eigentlich nichts am Hut hatte, hatte ich mir schon im Vorfeld 2 elektronische Fahrtregler besorgt, die ich stattdessen angeschlossen habe. Der Knackpunkt dabei war lediglich, dass entweder im Sender oder auf Empfängerseite eine elektronische Mischung vorzusehen war, um die Lenkbewegung des Steuerknüppels auf unterschiedliche Radsatzdrehzahlen umzusetzen. Mittlerweile gibt es von Conrad ein Modul mit eben dieser Funktionalität für PWM-Fernsteuerungen, ich habe mir das Teil noch selbst bauen müssen, da meine Anlage bereits einige Jahre auf dem Buckel hat und das entsprechende Teil nicht mehr lieferbar war.

Die Entscheidung für die elektronischen Fahrtregler erwies sich zum einen als richtig, denn die Fahrzeit des Modells mit zwei 1,3 Ah-NC-Akkus war mit etwa 10 Minuten doch recht kurz. Wenn da noch die Verluste in den Vorschaltwiderständen der mechanischen Steller und der Stromverbrauch der zwei Servos dazugekommen wäre...

Als falsch hat sich diese Entscheidung auf der anderen Seite auch erwiesen, denn durch die vehemente "Gasannahme" beim Beschleunigen bzw. abbremsen oder beim Richtungswechsel sind im Laufe der ersten Betriebsminuten schon gleich einige der Zahnriemenräder zerstört worden, mit denen die Antriebsmomente an die 3 Räder pro Seite weitergeleitet werden.

Hier hat sich herausgestellt, dass die Statik in den Zahnrädern unzureichend ausgelegt war, denn durch die Splinte, mit denen der Kraftschluß zwischen Achse und Zahnrad hergestellt wird, wurden die Flanken der Splintaufnahme einfach herausgebrochen. Die zweite Generation dieser Zahnräder, die ich nach Reklamation von Prafa zugeschickt bekommen habe, hatten bereits Abstützungen der Splintaufnahme zum äußeren Rand des Zahnrades spendiert bekommen, um eben dieses Abscheren zu vermeiden. Als Zwischenlösung bis zur Lieferung der Ersatzzahnräder habe ich den Raum zwischen Splintaufnahme und äußerem Zahnrad mit Zweikomponentenkleber ausgefüllt, was ebenfalls einige Zeit gehalten hat.

Allerdings war das leider nicht der einzige Ausfall, der zu beklagen war. Beim ersten Ausflug auf die Wiese (die ersten Fahrversuche hatten im Keller auf Fliesenboden stattgefunden) ist die getriebeausgangsseitige Achse gebrochen. Hier waren Ursache wohl die Kerben, in denen zwei Sprengringe liefen, die das Zahnrad auf seiner Position halten sollten. Die von Prafa daraufhin gelieferten Ersatzgetriebe hatten für diesen Zweck Messinghülsen die links und rechts neben dem Zahnrad aufgefädelt wurden, um die Kerbung zu vermeiden.

Bei den Montagearbeiten zum Ersetzen der Zahnriemenscheiben habe ich dann auch festgestellt, dass eines der inneren Gleitlager der sechs Halbachsen fehlte und dass an 3 der Achsen bei der Montage kein bißchen Fett aufgebracht war. Die Qualitätskontrolle beim Hersteller Prafa hätte also durchaus etwas zielgerichteter arbeiten können.

Ein weiterer Mißstand war in meinen Augen die Tatsache, dass auf der inneren Seite der Halbachsen Gleitlager verbaut wurden. Hier entsteht durch den Zug der Zahnriemen eine erhebliche Belastung quer zur Achse mit entsprechenden Verlusten, die durch Einsatz von Kugellagern vermindert werden könnten. Leider waren auch keine Kugellager in den ungewöhnlichen Maßen 18x8 der Gleitlager zu bekommen. Das nächste in Frage kommende kleinere Normmaß, war 16x8, ich mußte also aus Messing Buchsen drehen, um das Untermaß auszugleichen.

Gesagt getan, danach liefen die Achsen sehr viel leichter und ich hatte erstmals einigen Spaß an dem Fahrzeug.  Beim Stichwort Achsen fällt mir noch ein, dass die äußeren Lager durchaus eine Fase vertragen hätten, denn beim Einschieben der Achsen wurden von den scharfen Kanten dieser Lager immer der eine oder andere Simmering beschädigt. Jeweils zwei davon sind auf den Achsen angebracht um diese abzudichten.

Der Spielplatz vor unserem Haus hat eine riesige Sandfläche, man kann von dort auf die Straße (verkehrsberuhigte Sackgasse) fahren, von dort in unseren Garten, wo ein 45 Grad Hang zu richtigen Geländeausritten verlockt. 4 oder 5 Akkuladungen später hat es beim Kurvenfahren auf Gras aber dann doch wieder gekracht. Diesmal war eine der Getriebeachsen verbogen und eines der Zahnriemenräder auf der gleichen Seite war wieder zerbrochen.

Das Positive daran: Ich habe daraufhin den Bausatz und die Kugellager an Conrad zurückgeschickt und bekam den Kaufpreis des Tyrano und der Kugellager komplett erstattet. Einige Ausgaben im Zusammenhang mit Reparaturen und Ersatz fehlender Teile (Polyamidstab für fehlendes Lager, Messingstab für Kugellagerbuchsen) nicht zu vergessen einiges an Telefon- und FAX-Gebühren sowie die Rücksendekosten habe ich selbst getragen, aber schließlich bin ich ja auch eine Weile mit dem Modell gefahren.

Dieses an sich schöne und exklusive Modell hatte leider noch einige Kinderkrankheiten, die aber beim Hersteller erkannt und behoben wurden. Wenn inzwischen, sicher nicht zuletzt basierend auf dem Feedback der Kunden, weitere Verbesserungen am Fahrzeug durchgeführt wurden, sollte es ein empfehlenswertes Produkt geworden sein, sicher auch durch die ungewöhnliche Bauart. Bei uns in der Straße war es ein richtiger "Hingucker" und jeder hat sich nach Einzelheiten erkundigt.

Was ich allerdings nicht verstanden habe, ist das neue Outfit in Blau, mit dem es seit einigen Jahren im Katalog zu sehen ist. Das schöne Knallgelb hat ihm meines Erachtens besser gestanden.

Was in meinen Augen bei allen Produkten des Genres "Elektrogetriebenes Vehikel" verbesserungswürdig wäre, ist die Ausstattung mit mechanischen Fahrtreglern. Hier würde ich seitens der Hersteller mal für einige Serien wahlweise mechanische oder elektronische Regler, diese natürlich mit entsprechendem Aufpreis, oder gar keine Regler mit entsprechendem Abschlag anbieten, um die Akzeptanz beim Modellbauer zu testen. Danach könnte dann entschieden werden, ob weiter mechanische Regler mitverkauft werden, die meines Erachtens ohnehin in die Schublade oder gleich in die Tonne wandern, oder ob der Preisvorteil bei Lieferung ohne Regler nicht grundsätzlich weitergegeben werden könnte.

Mein Traum vom Sechsradfahrzeug war übrigens noch nicht ausgeträumt. Ich erinnerte mich, dass Robbe mit dem Rodeo 6x6 seit Jahren ebenfalls ein solches Gefährt im Programm hat und habe mir selbiges zugelegt. Für die 80 DM mehr war einiges im Bausatz vorhanden, was ich beim Tyrano erst nachträglich mit hohem Aufwand eingebaut habe, so zum Beispiel die Kugellager innen. Außerdem hatte jede Seite ein kompaktes, gekapseltes Getriebe ohne lange Achsen, das dank Fettfüllung sogar recht leise läuft. Leider waren auch hier die unsäglichen mechanischen Fahrtregler mit von der Partie. Lediglich die Platzverhältnisse im Chassis sind beim Rodeo beengter als beim Tyrano, wie die geringeren Außenabmessungen schon vermuten lassen.

Was ich auch heute noch nicht verstehe, ist die Tatsache, dass das Fahrzeug von Robbe mit gleicher Motorisierung aber "schnellerer" Übersetzung und ansonsten gleicher Elektroausstattung fast doppelt so lange mit einem Akkusatz fährt wie der Tyrano seinerzeit. Die einzige Idee die ich dazu habe, ist die Vermutung, dass Robbe bessere Motoren verwendet als Prafa und der Gesamtwirkungsgrad des Antriebs trotz hoher Ähnlichkeit beim Rodeo besser ist.

Eine letzte Anmerkung zum Getriebe des Tyrano. Die Untersetzung ist nach meinem Dafürhalten etwas zu stark, denn an Steigungen mit leicht losem Untergrund graben sich die Räder ein oder rutschen durch, während auf ebener Fläche die erreichbare Geschwindigkeit nicht gerade berauscht. Wie ich vom Rodeo von Robbe weiß, reicht zum Durchrutschen oder Eingraben am Hang auch eine weniger starke Untersetzung, eine 45 Grad Steigung schafft der Rodeo bei festem Untergrund auch, dafür ist die Geschwindigkeit auf der Ebene entsprechend beeindruckender, inklusive der Drifts auf sandberieseltem Asphalt :-))
 

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